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Alles ist anders

Mel

„Nein, heute will ich allein schlafen“, habe ich zu Mona gesagt, als sie mit zu mir nach Hause kommen wollte. Es ist November, unfreundliches Wetter. Sie hätte mich im Auto mitgenommen, aber ich wurde lieber nass. Wir hatten Premiere; sie ist extra früher von der Arbeit gekommen, um dabei zu sein, und danach stieg noch eine Party, doch ich hatte keine Lust.

Und so sitze ich jetzt hier in der Küche mit Sammy, das geht gar nicht. Sie streckt mir ihren Joint hin. Ich schüttele den Kopf. Mir ist jetzt schon schwindelig, ich habe genug. „Mit jedem Zug wird der Weg zu meinem Zimmer weiter“, erkläre ich ihr.

Sie zieht selber noch einmal, drückt dann den Stummel aus, zieht einen Mundwinkel hoch; ihre grünen Augen funkeln hinter einem Schleier aus Haaren. „Ooch, auch egal“, meint sie, stützt sich auf den Küchentisch auf; ihre Lippen sind so nah.

Ich reiße mich los. Puh, das ist hart. „Schlaf schön“, sage ich, stemme mich aus dem Sessel, beuge mich über sie und wuschle ihr durch die dunklen Locken. Darunter sind ihre Haare abrasiert. Sie sind so dicht gelockt, dass sie das halbe Gesicht verdecken. Ich ziehe ein bisschen an ihrem Schopf, und sie hält meine Hand fest, holt mich näher zu sich heran.

„Nur einer“, sagt sie, und ihre Haare kitzeln. Unsere Zungen kennen sich schon, aber nur flüchtig. Das letzte Mal haben wir auf der WG-Party geknutscht, vor einer Woche, und danach habe ich beschlossen, so zu tun, als sei nichts gewesen. Soweit ich das mitbekomme, küsst Sammy sowieso ziemlich viel, und ich küsse Mona. Nicht so gierig oder so dringend, schon lange nicht mehr, vielleicht noch nie, aber es ist nicht so, dass ich Mona – ich liebe Mona, echt. Sie ist so etwas wie ein Zuhause, wenn es das gibt. Nur – ich hätte sie mitnehmen müssen.

Was mache ich schon wieder in Sammys Mund? Kein Sex in der WG, habe ich Samstag gesagt, und wir haben gelacht und sind nicht zusammen im Bett gelandet, sondern jede in ihrem, nur: Seitdem habe ich Herzklopfen, wenn ich sie sehe. Ihre Zunge windet sich um meine, sie tanzt. Das hier soll niemals aufhören.

Denke ich noch, da löst sie sich schon wieder, sagt: „Träum was Süßes“, steht auf, wischt sich mit ihrem Ärmel über den Mund und läuft an mir vorbei, den Flur hinunter.

Die Dielen knarzen, ihre Tür quietscht, fällt ins Schloss; wenn da mal nicht Dörthe aufwacht. Sammy wird noch ins Bad gehen, um sich die Zähne zu putzen, an meinem Zimmer vorbei. Egal was war, sie putzt sich immer die Zähne. Langsam gehe ich auf mein Zimmer zu. Sehe zu ihrem Zimmer, den Gang hinunter. An ihrer Tür hängt Patti Smith, guckt total ungerührt in meine Richtung. Scheiße, ich muss mit Mona Schluss machen.